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Fokus auf Differdingen – Esch2022 feiert die Gemeinde des Monats vom 22. September bis zum 21. Oktober 2022

Bühne frei für die Gemeinde Differdingen! Im Rahmen der Europäischen Kulturhauptstadt Esch2022 ist es nun an der Gemeinde Differdingen, den Luxemburger und internationalen Besuchern seine herausragend multikulturelle Identität sowie sein vielfältiges kulturelles Angebot vorzustellen. Mit ungewöhnlichen Performances und Theateraufführungen, gastronomischen Entdeckungsreisen und zahlreichen künstlerischen Interventionen im öffentlichen Raum weiß sie mit Sicherheit jeden von ihrem einzigartigen Charme zu überzeugen.

Als drittgrößte Gemeinde des Landes umfasst Differdingen die Ortschaften Oberkorn, Niederkorn und Lasauvage. Sie liegt direkt an der Grenze zu Frankreich im Tal der Korn und weiß mit ihrem reichen historischen Erbe mit prestigeträchtigen Gebäuden wie der Zisterzienserabtei aus dem Jahr 1235 oder dem Château de Differdange, in dem die Universität von Miami untergebracht ist, zu überzeugen.

Daneben ist die Stadt von einer wunderschönen Natur aus vielfältigen Wäldern und Parks umgeben.
Wenn sie nicht gerade in der Stadt herumschlendern, trifft man die Differdinger bei den vielen Veranstaltungen und Aktivitäten, die das ganze Jahr über auf dem Programm stehen. Auf eines kann man sich auf jeden Fall einigen: In Differdingen gibt es immer was zu tun!

Im Bereich der Kultur locken zahlreiche Veranstaltungen, Shows und Konzerte im Aalt Stadhaus, dem Centre Marcel Noppeney, dem H20 im ehemaligen Wasserreservoir von Oberkorn oder die Fotoausstellungen in der Paul-Wurth-Halle immer viele neugierige Besucher an. Und wenn Sie die kreativen Köpfe des Landes treffen möchten, ist Differdange the place to be: Viele von ihnen haben sich im Kreativzentrum 1535° in den ehemaligen Werkstätten der ArcelorMittal-Fabrik niedergelassen. Denn vergessen wir nicht, dass „die Eisenstadt“, wie man sie auch nennt, die erste Industriestadt Luxemburgs war. Im Bereich der Geschichte ist ein Besuch der Grôven-Mine, die bis 1957 in Betrieb war, ein absolutes Muss. Der Stollen, der heute in ein Museum umgewandelt wurde, erzählt die Geschichte des täglichen Lebens der Bergleute in Ton und Bild. Eine Nachbildung davon kann man auch im Eugène-Pesch-Museum in Lasauvage besichtigen.

Lasauvage ist das einzige französischsprachige Dorf in Luxemburg, das zum Pilotprojekt für den Erhalt und die Wiederherstellung des industriellen Lebensraums erklärt wurde. Hier gibt es auch eine Arbeitersiedlung, die noch im Originalzustand erhalten ist, sowie ein Museum und die Salle des Pendus (Halle der Gehängten) – so wurden die Umkleideräume der Bergleute genannt -, die auf jeden Fall einen Besuch wert sind… Heute leben in Differdingen mehr als 100 Nationalitäten zusammen.

Diese Multikulturalität wird von der Gemeinde gefördert und geschätzt. Dies beweist das Festival des cultures (dt: Festival der Kulturen), das seit über 20 Jahren jeden Frühjahr veranstaltet wird und stets von großem Erfolg gekrönt ist. Dieses Festival zelebriert die Vielfalt der Einwohner mit Musik, Kulinarik und Kunsthandwerk: ein unumgängliches Ereignis, bei dem die Besucher das Lebensgefühl der Gemeinde hautnah miterleben können.

Im Rahmen von Esch2022 hat die Gemeinde Differdingen gemeinsam mit zahlreichen kulturellen Akteuren der Region spannende Ideen und Projekte umgesetzt, die die Leitmotive von Esch2022 mit unterschiedlichsten Kunstformen kombinieren, um so den Charakter und die Besonderheiten ihrer Gemeinde der großen Öffentlichkeit präsentieren zu können.

Eines dieser Projekte beschäftigt sich mit einem Thema, das in der Kunstwelt eigentlich eher selten behandelt wird, jedoch von großer Bedeutung ist: Die Stellung und die Rolle der Agrikultur in unserer heutigen Welt. In Differdingen befindet sich der ehemalige Bauernhof „Lommelshaff“, welcher vor einiger Zeit von der Familie an ein Bauunternehmen verkauft wurde. Die Gemeinde entschied sich jedoch dazu, den Hof zurückzukaufen, um ihn zu erhalten und wieder aufzuwerten.

Genau diese Geschichte war die Inspiration für das Projekt Terre Ferme – Lommelshaff. Bei diesem partizipativen Theaterstück folgen die Zuschauer den Schauspielern über das gesamte Gebiet und durch mehrere Räume des Bauernhofs und machen sich Gedanken über die noch ungewisse Zukunft des Grundstücks. Soll der Hof abgerissen werden, um dort Wohnungen bauen zu können? Soll er in einen riesigen Bauernhof umgewandelt werden oder doch eher in eine kleine bescheidene Bio-Farm? Die Regisseurin Renelde Pierlot und der Autor Francesco Mormino möchten die Menschen dazu anregen, die Werte und die schwierigen Herausforderungen der heutigen Welt der Agrikultur zu verstehen und zu hinterfragen. Dabei haben sie auch die Möglichkeit, sich gemeinsam mit den Schauspielern an den Esstisch zu setzen und lokale Produkte und Gerichte zu probieren und gemeinsam zu genießen.

Im Rahmen dieser mehrsprachigen Aufführung werden zwischen dem 27. September und dem 4. Oktober verschiedene Workshops zu Themen wie Konservierung oder kulinarisches Gedächtnis veranstaltet und es wird ein ephemeres Restaurant eingerichtet.

Ein weiteres Leitmotiv, das die Gemeinde Differdingen mit Esch2022 verbindet, ist das der Barrierefreiheit. Bereits im Jahr 2014 hat die Gemeinde Differdingen einen „Behindertenbeauftragten“ eingestellt, der sich mit eben dieser Problematik auseinandersetzen soll. Im Jahr 2016 wurde dann auch ein Partizipationskommittee gegründet, dessen Mitglieder allesamt direkt oder indirekt mit einer Behinderung leben. Somit können sie die Gemeinde bei ihren Initiativen für eine inklusive Gesellschaft beraten und unterstützen. Nach dem Prinzip „Design for all“ arbeitet die Gemeinde mit internen und externen Partnern aus den Bereichen Bildung, Sport, Wirtschaft und Stadtplanung zusammen, um gezielte Aktionen auszuarbeiten, die die Gemeinde Differdingen barrierefreier und inklusiver gestalten.

Im Rahmen des Projekts Pimp my Access(ibility) werden verschiedene Hindernisse wie schräge Steigungen, Treppen oder Löcher mit schrägen Ebenen oder Rampen ergänzt, welche Menschen mit Rollstühlen, aber auch jenen mit Kinder- oder Schiebewagen den Zugang zu Plätzen oder Gebäuden vereinfachen oder sogar erst ermöglichen sollen. Und eben diese Hilfsmittel werden nun von einer Reihe von Künstlern „gepimpt“, um die urbane Landschaft zu verschönern und positive Gefühle zu vermitteln, während gleichzeitig die Bedürfnisse der gesamten Bevölkerung berücksichtigt werden.

Ganz nach dem Esch2022-Motto „Remix Yourself“ gibt das DiffMix-Projekt den Bürgern und Bürgerinnen der Gemeinde die Möglichkeit, höchstpersönlich bei einem ganz besonderen Kunstprojekt mitzuwirken. Die Differdinger wurden in einer ersten Phase gebeten, fünf öffentliche Orte innerhalb der Gemeinde auszuwählen, die ihren persönlichen Alltag maßgeblich beeinflussen. Um die ausgewählten Orte anschließend aufzuwerten, wurden Künstler aus ganz Europa gebeten, ihre Ideen für eine künstlerische Neugestaltung dieser Standorte zu präsentieren.

Gemeinsam mit den Bürgern und Bürgerinnen wurden unterschiedliche Konzepte entwickelt und ausgearbeitet, um jedem einzelnen die Möglichkeit zu geben, einen Einfluss auf die Gestaltung ihrer Umgebung zu haben und den öffentlichen Raum durch diesen greifbaren Entstehungsprozess kulturell und partizipativ neu erlebbar zu machen. Drei dieser spannenden Kunstinterventionen können Sie noch bis zum 31. Dezember am Thillebierg, auf dem Parkplatz nahe des Aquasud an der Place Jehan Steichen in Oberkorn und im Parc de la Chiers bestaunen.

Auch das ephemere Restaurant, das im Rahmen des Projekts le mixeur auf dem Grundstück des Lommelshaff entsteht, setzt abermals auf die Kollaboration mit den Bürgern und Bürgerinnen der Gemeinde. In verschiedenen Workshops werden alle Elemente des Restaurants aufgebaut und eingerichtet, sowie die Rezepte ausgearbeitet. Von den Hockern, über die Speisekarten bis hin zu den Tellern und Tischtüchern wird alles selbst designt und gemeinsam hergestellt. Jedes Element dieses Restaurants soll einen bestimmten Teil der Identität der Region symbolisieren. So entsteht ein Ort der kollektiven Kreation sowie des Austausches, wo Kunst, Gastronomie und Kulturenvielfalt aufeinandertreffen. Danach geht es nur noch darum, die kollektiven Geschichten über das Thema Kochen zu erzählen und sich auszutauschen.

Im Parc de la Chiers veranschaulicht das Esch2022-Projekt PANTA RHEI mit unterschiedlichen Skulpturen den ständigen Veränderungsprozess unserer Natur. Sie sollen die Wechselhaftigkeit wie auch die Vergänglichkeit und den ewigen „Fluss“ der Natur demonstrieren. Der Park bietet in diesem Sinne einen einzigartigen Treffpunkt für Menschen unterschiedlicher Stadtviertel, Generationen und Kulturen.

Am 19. Oktober wird in diesem Rahmen ein Philosophisches Seminar in der Ecole Internationale de Differdange samt Ausstellungsbesichtigung im Park de la Chiers stattfinden. Dabei werden die asbl. Paideia sowie die Professoren der Ecole Internationale de Differdange vor allem die Lehren des griechischen Philosophen Heraklit sowie das Leitmotiv Panta Rhei in den Vordergrund stellen, um die Teilnehmer dazu aufzufordern, über die Vergänglichkeit sowie den natürlichen Fluss der Dinge nachzudenken.

Im Gegensatz dazu fordert das Projekt DifferDanceDays die Besucher dazu auf, sich zu bewegen und die Freiheit ihrer eigenen Bewegungen zu spüren und zu genießen. Das Lucoda-Kollektiv lädt alle Interessierten dazu ein, anlässlich origineller Events an ungewöhnlichen Orten die Vergangenheit und die Gegenwart der Tanzkunst miteinander verschmelzen zu lassen. Hier heißt es gemeinsam tanzen und sich voneinander inspirieren, unterschiedliche Kunstformen miteinander „remixen“ und neue immersive und interaktive Erfahrungen erleben.

Im Rahmenprogramm der DifferDanceDays finden gleich zwei Rencontres éphémères statt. Bei diesen Events möchte das Lucoda-Kollektiv die Tanzkunst in Orte einführen, die eigentlich überhaupt nichts mit dieser Kunstform zu tun haben… wie z.B. eine Kirche. In diesem Sinne können alle interessierten Teilnehmer sich am 12. Oktober zwischen 19.30 und 19.55 in der Eglise de Saint Paul sowie am 19. Oktober in der Eglise de Saint Joseph treffen, um diesen ungewöhnlichen Raum neu zu entdecken und ihn gemeinsam mit einem renommierten Choreographen neu aufleben zu lassen. Anmelden kann man sich via e-mail unter info@stadhaus.lu oder per Telefon unter der Nummer 58 77 1-1900.

Im gleichen Rahmen findet am 22. Oktober im Aalt Stadhaus der Grand Bal statt, welcher gleichzeitig als Abschlussevent des Differdinger Monats gedacht ist. In festlicher Atmosphäre können sich alle interessierten Amateur-Tänzer unter die Profis mischen und Differdingens einzigartigen Beitrag zum Projekt der Europäischen Kulturhauptstadt 2022 gemeinsam zelebrieren.

Das komplette Programm der der Gemeinde finden Sie unter Aalt Stadhaus